zum Inhalt
 
 

- Archiv

12.03.2008

Schnurlose Telefonie im Unternehmen - DECT oder Voice over WLAN?

VoWLAN vs. DECT Bisher gab es für die schnurlose Kommunikation im Unternehmen nur einen Standard: Digital Enhanced Cordless Telephony, kurz DECT.
Mit zunehmender Verbreitung von Wireles-LAN (WLAN bzw. WiFi) auch in mittleren und großen Unternehmen, stellt sich bei Neuanschaffung von Hardware die Frage, ob man in zwei verschiedene Funk-Infrastrukturen investieren sollte, oder ob man nicht besser nur eine einheitlich Lösung aufbaut.

Während DECT von Anfang an als Netzwerk für schnurlose Telefonie entwickelt wurde, wird Telefonieren über WLAN erst mit der Protokollerweiterung Voice over WLAN (VoWLAN) möglich. Gegenüber der reinen WLAN-Abdeckung zum drahtlosen Zugang zum LAN, benötigt VoWLAN erweiterte Intelligenz in Form des Access-Controllers. Dieser übernimmt nicht nur die Kontrolle, welches Endgerät telefonieren darf, sondern sorgt auch dafür, dass der Datenstrom priorisiert (QoS) wird und zum richtigen Accesspoint gelangt.
Eine DECT-Basisstation kann während eines Gespräches den Funkkanal ändern (CDCS) wenn sich der Empfang verschlechtert und nahtlos (unterbrechungsfrei) zur nächsten Basisstation übergeben.
Im Unterschied dazu muss der Access-Controller zur Ermittlung des optimalen Funkkanals ein periodisches Scanning der Funkfrequenzen durchführen, welches die Daten- und Sprachkommunikation für etwa 100ms unterbricht. Während eines Telefongesprächs ist dieser Adaptive-Radiomanagement genannte Prozess natürlich nicht durchführbar. Das führt allerdings dazu, dass nur in unmittelbarer Nähe zum Sender die Fehlerdatenrate klein genug ist, um störungsfrei Sprache übertragen zu können (Datenrate >1,5Mbit/s). Daher benötigen flächendeckende VoWLAN-Lösungen auch eine deutlich höhrere Dichte an Accesspoints als bei DECT, denn die maximale Reichweite beträgt nur 200m im Außen- und 50m im Innenbereich.

Auch aus praktischen Erwägungen hat DECT derzeit die Nase vorn, denn die Standby/Gesprächszeiten von VoWLAN liegen, je nach Endgerät, immer noch weit unter denen von DECT-Telefonen.

Ob der vorraussichtlich 2009 endgültig verabschiedete Funkstandard 802.11n eine wesentliche Verbesserung der Reichweitenproblem für VoWLAN bringt bleibt abzuwarten. Nominell verdoppelt sich zwar die Datenrate gegenüber 802.11a/g und die erzielbare Reichweite liegt im Mittel bei etwa 60-70m (innen), praktische Erfahrungen gibt es jedoch noch nicht. Die momentan angebotenen Accesspoints mit 802.11-Draft kommen alle aus dem sogenannten FAT-AP-Bereich, der aus Kostengründen und wegen des zu hohen Verwaltungsaufwandes im gewerblichen Bereich keine Rolle spielt.

Die vom DECT-Konsortium 2006 vorgestellte Protokollerweiterung CAT-iq (cordless Advanced Technologie), mit der auf IP-basierende Dienste übertragen werden, sollte jedoch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Zukunftsaussichten von DECT begrenzt sind auf Sprachanwendungen. Zwar gibt es bereits Endgeräte, die Stufe 1 des neuen Standards unterstützen (z.B. RSS-Feeds), für Datenübertragung ist DECT nur bedingt geeignet.

Ob letztendlich eine WLAN-Infrastruktur UND ein DECT-Netz oder ein VoWLAN - es bleibt eine Frage der Anforderungen.
connectline bietet Ihnen kompetente Beratung und reibungslose Integration von Netzwerk und Telekommunikation in Ihr Unternehmen.

« zurück

 



top|print